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Fachbeitrag · Wirtschaftsinformatik ·

Prognosen aus Geschäftsdaten: Warum der damalige Wissensstand wichtiger ist als das Belegdatum

Ein Prognosemodell erzielt im Test hervorragende Ergebnisse, versagt aber im späteren Einsatz. Ein möglicher Grund ist Datenleckage: Im Test wurden Informationen verwendet, die zum tatsächlichen Vorhersagezeitpunkt noch nicht verfügbar gewesen wären. Bei Geschäftsdaten reicht es deshalb nicht, Datensätze lediglich nach ihrem fachlichen Datum zu sortieren und danach in Training und Prüfung aufzuteilen.

Ereignisdatum und Bekanntwerden trennen

Ein Auftrag kann ein früheres Leistungsdatum tragen, aber erst Tage später erfasst oder nachträglich korrigiert werden. Wird ein heutiger Datenexport für eine historische Prognose verwendet, enthält er möglicherweise Wissen aus dieser späteren Bearbeitung. Für einen realistischen Test muss rekonstruiert werden, welche Merkmale zum damaligen Stichtag tatsächlich vorlagen. Das betrifft besonders spätere Stornierungen, Endstatus, korrigierte Mengen und bestätigte Liefertermine. Das fachliche Bezugsdatum allein beschreibt diesen damaligen Informationsstand nicht zuverlässig.

Auch Vorverarbeitung kann verraten

Nicht nur offensichtliche Ergebnisfelder können zukünftiges Wissen enthalten. Wird beispielsweise eine Skalierung oder Merkmalsauswahl mit dem gesamten Datenbestand bestimmt, beeinflussen spätere Prüfdaten bereits die Modellbildung. Die Trennung muss deshalb vor solchen Lernschritten erfolgen. Anschließend werden die im Training bestimmten Regeln unverändert auf die Prüfdaten angewendet. Diese Reihenfolge gehört zum Versuchsaufbau und sollte bei wiederholten Modellläufen nachvollziehbar bleiben, statt von einer zufälligen Reihenfolge manuell ausgeführter Skripte abzuhängen.

Zeitlich passend prüfen

Eine zufällige Mischung alter und neuer Datensätze kann bei zeitlich abhängigen Vorgängen ein zu günstiges Bild erzeugen. Ein geeigneter Test nutzt frühere Informationen zur Vorhersage späterer Perioden. Mehrere zeitlich verschobene Prüfungen zeigen, ob das Ergebnis nur in einem einzelnen günstigen Zeitraum funktioniert. Dabei sind Vorhersagehorizont und tatsächlicher Aktualisierungsrhythmus zu berücksichtigen. Ein Modell für die nächste Woche darf nicht mit Informationen bewertet werden, die im realen Wochenlauf erst danach eintreffen würden.

Ein überprüfbarer Datenvertrag

Für jedes Merkmal sollten Herkunft, Erfassungszeit und erlaubter Verwendungszeitpunkt bekannt sein. Eine kleine manuell rekonstruierte Stichprobe hilft, die historische Sicht zu prüfen. Der Testvergleich sollte außerdem eine einfache fachliche Ausgangslösung enthalten. Gute Kennzahlen allein beweisen keine allgemeine Einsatzfähigkeit. Wenn sich Prozesse oder Datenflüsse ändern, kann die bisher gültige Annahme zur Verfügbarkeit eines Merkmals wegfallen. Deshalb gehört die Prüfung der Datenentstehung dauerhaft zur Prognoseentwicklung und nicht nur einmalig zur technischen Einführung.

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