BestExperts BestExperts WBI / WBT

Fachbeitrag · Wirtschaftsinformatik ·

Variantenkonfiguration: Warum gültige Einzeloptionen zusammen unzulässig sein können

Ein Konfigurator bietet einen Motor, eine Versorgung und ein Gehäuse zur Auswahl. Jede Option ist einzeln vorhanden, aber nicht jede Kombination ist technisch zulässig. Die Prüfung einer Variante betrifft deshalb Beziehungen zwischen Merkmalen. Ein vollständig ausgefülltes Formular ist noch kein Nachweis, dass daraus ein herstellbares und sinnvoll spezifiziertes Produkt entsteht.

Wertebereiche sind erst der Anfang

Für ein Merkmal lässt sich festlegen, welche Werte grundsätzlich auswählbar sind. Darüber hinaus können Kombinationen eingeschränkt sein: Eine Leistung benötigt eine bestimmte Versorgung, ein Bauteil passt nur zu ausgewählten Gehäusen. Solche Regeln können als Bedingungen oder erlaubte Kombinationstabellen modelliert werden. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Pflichtfeld, einem gültigen Einzelwert und einer gültigen Gesamtkonfiguration. Diese Prüfungen ergänzen sich, ersetzen einander aber nicht und sollten auch bei einer Schnittstellenübernahme gelten.

Abhängigkeiten nachvollziehbar machen

Ein praktisches Beispiel ist eine Gehäuseauswahl, die ein zusätzliches Kühlmodul erforderlich macht. Wenn der Konfigurator lediglich eine nicht zulässige Kombination meldet, bleibt der nächste sinnvolle Schritt unklar. Hilfreicher ist eine verständliche Erklärung, welche Bedingung verletzt wurde und welche Auswahlen betroffen sind. Dabei darf die Oberfläche keine scheinbar einfache Korrektur vorschlagen, die an anderer Stelle eine neue Unverträglichkeit erzeugt. Die zugrunde liegenden Regeln müssen gemeinsam betrachtet werden.

Regeländerungen versionieren

Eine neue Komponente oder eine überarbeitete technische Freigabe kann bisherige Kombinationen verändern. Bereits erfasste Aufträge sollten dadurch nicht stillschweigend eine andere Bedeutung erhalten. Für Nachvollziehbarkeit sind der damalige Konfigurationsstand und die verwendete Regelversion relevant. Auch bewusst freigegebene Ausnahmen brauchen einen erkennbaren Bezug. Sonst lässt sich bei einer späteren Rückfrage nicht unterscheiden, ob ein Auftrag nach einer damaligen Regel gültig war oder schon bei der ursprünglichen Erfassung eine Abweichung enthielt.

Gezielt statt nur zufällig testen

Ein Test sollte bekannte gültige und ungültige Kombinationen sowie Grenzen einzelner Wertebereiche enthalten. Zusätzlich sind Regelkonflikte wichtig, etwa wenn zwei Bedingungen sich gegenseitig ausschließen und keine Lösung mehr zulassen. Bei vielen Merkmalen ist vollständiges Durchprobieren oft unpraktisch; gezielt ausgewählte Kombinationen und fachliche Prüfungen bleiben nötig. Ein Konfigurator unterstützt die formale Prüfung modellierter Regeln. Er kann nicht automatisch jede physikalische Eigenschaft beurteilen, die im Modell gar nicht beschrieben wurde.

Neue Regeln sollten außerdem gegen bereits freigegebene Beispielvarianten geprüft werden. Unerwartete Änderungen werden so früh als bewusste Modellentscheidung oder als Fehler erkennbar.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner