FACHBEITRAG · 24. JULI 2026

Earned Value: Warum eine Terminabweichung in Euro keine Zahl von Tagen ist

Helles Schreibwerkzeug mit Projektunterlagen
Eine Kostenkennzahl misst keine Tage.
Symbolbild.

Earned Value Management verbindet geplante Arbeit, erreichten Leistungswert und angefallene Kosten. Dabei werden auch terminbezogene Kennzahlen häufig in Geldwerten ausgedrückt. Das kann leicht zu einer falschen Interpretation führen.

Drei Größen sauber unterscheiden

Planned Value beschreibt den budgetierten Wert der bis zum Stichtag vorgesehenen Arbeit. Earned Value ist der budgetierte Wert der tatsächlich erbrachten Leistung. Actual Cost bezeichnet die dafür tatsächlich angefallenen Kosten. Voraussetzung sind ein konsistenter Leistungsumfang und ein nachvollziehbarer Fertigstellungsgrad.

Die Schedule Variance berechnet sich als Earned Value minus Planned Value. Werden beide Größen in Euro geführt, ist auch die Differenz ein Eurobetrag. Sie bezeichnet keinen kalendarischen Abstand in Tagen.

Ein fiktives Zahlenbeispiel

Bis zum Stichtag sind Leistungen mit einem Planwert von 100.000 Euro vorgesehen. Tatsächlich erreicht sind Leistungen mit einem budgetierten Wert von 80.000 Euro. Die Schedule Variance beträgt minus 20.000 Euro. Der Schedule Performance Index, Earned Value geteilt durch Planned Value, liegt bei 0,8.

Daraus lässt sich nicht unmittelbar eine Verzögerung von 20 Prozent oder eine bestimmte Zahl von Tagen ableiten. Verschiedene Arbeitspakete haben unterschiedliche Kosten- und Zeitstrukturen. Außerdem kann ein hoher Leistungswert in nicht kritischen Aufgaben einen Engpass am kritischen Pfad verdecken.

Kennzahl und Terminplan gemeinsam lesen

Die Leistungskennzahlen sind ein Anlass für eine vertiefte Prüfung. Für die Abschlussprognose bleiben Abhängigkeiten, verbleibende Dauern und verfügbare Ressourcen erforderlich. Eine genaue Kennzahl auf einer ungeprüften Fortschrittsschätzung erzeugt lediglich den Eindruck zusätzlicher Genauigkeit.

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