FACHWISSEN · TECHNIK & PROZESSE

Industrial IT: Warum ein plausibler Messwert noch kein gültiger Messwert ist

Industrial IT: Daten und ihre Qualität gemeinsam betrachten. / Industrial IT: consider data and quality together.
Industrial IT: Daten und ihre Qualität gemeinsam betrachten.

Auf einer Anlagenübersicht bleibt eine Temperatur von 22 Grad sichtbar, obwohl die Verbindung zur Datenquelle gestört ist. Die Zahl wirkt weiterhin plausibel. Für eine verlässliche Verbindung zwischen IT und Produktion muss deshalb mehr übertragen und ausgewertet werden als nur der Zahlenwert.

Wert und Datenqualität gehören zusammen

Bei OPC UA kann ein DataValue neben dem eigentlichen Wert unter anderem Qualitäts- und Zeitinformationen enthalten. Der Status unterscheidet insbesondere Good, Uncertain und Bad. Ein als unsicher gekennzeichneter Wert darf nicht stillschweigend so behandelt werden wie ein Wert mit guter Qualität; der konkrete Status liefert weitere Hinweise.

Damit entsteht eine wichtige Trennung: Die Kommunikation kann eine Antwort liefern, während der enthaltene fachliche Messwert nicht für jeden Zweck verwendbar ist. Die empfangende Anwendung muss die Qualitätsinformation auswerten und darf sie beim Speichern oder Weiterreichen nicht verlieren.

Ein fiktiver Fall einer Anlagenübersicht

Eine technische Übersicht zeigt die letzte bekannte Temperatur eines Prüfbereichs. Nach einer Unterbrechung erscheint weiterhin die zuletzt übertragene Zahl. Würde die Anzeige nur einen Zahlenbereich prüfen, sähe alles unauffällig aus. Eine zusätzliche Qualitätsanzeige kann dagegen zeigen, dass aktuell kein regulär verwendbarer Messwert vorliegt.

Für die fachliche Nutzung wird ausdrücklich festgelegt, was bei eingeschränkter Qualität geschieht: beispielsweise den Wert als nicht verfügbar kennzeichnen, eine Berechnung aussetzen oder den Fall zur Prüfung melden. Das sind zu vereinbarende Prozessregeln und keine allgemeine Steuerungsanweisung für Maschinen.

Zeitinformationen richtig einordnen

Ein Zeitstempel kann unterschiedliche Vorgänge beschreiben, etwa die Quelle des Wertes oder dessen Verarbeitung durch einen Server. Vor der Nutzung muss klar sein, welche Bedeutung die konkrete Zeitangabe hat. Ein älterer Zeitstempel darf nicht ohne Kenntnis dieser Bedeutung automatisch als Ausfall bewertet werden.

Auch eine neue Empfangszeit beweist nicht, dass gerade eine neue physische Messung stattgefunden hat. Für eine belastbare Bewertung werden daher Quelle, Qualitätsstatus, Zeitinformation und die Anforderungen des konkreten Anwendungsfalls gemeinsam betrachtet.

Die gesamte Datenkette prüfen

Ein Integrationstest sollte neben normalen Werten auch schlechte oder unsichere Qualität, Verbindungsunterbrechung und Wiederanlauf abdecken. Dabei wird geprüft, ob die Information vom Feldgerät über die Anbindung bis zur Anzeige und nachgelagerten Auswertung erhalten bleibt.

Eine sauber gestaltete Industrial-IT-Anbindung transportiert nicht nur Daten. Sie erhält deren Bedeutung. Erst damit kann eine technische Übersicht zwischen einem tatsächlich unauffälligen Anlagenzustand und einer lediglich plausibel aussehenden letzten Zahl unterscheiden.

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