FACHWISSEN · PROJEKTE & TRANSFORMATION

Win-Loss-Auswertung: Warum unbeantwortete Rückfragen nicht automatisch verlorene Chancen erklären

Beobachtete Gründe und fehlende Rückmeldungen klar auseinanderhalten. / Distinguish observed reasons from missing feedback.
Beobachtete Gründe und fehlende Rückmeldungen klar auseinanderhalten.

Nach verlorenen Angeboten werden Gründe gesammelt. Häufig taucht ein einzelner Grund besonders oft auf. Doch wie viele Fälle wurden tatsächlich befragt, wie viele haben geantwortet und wer hat die Gründe eingeordnet? Ohne diese Angaben kann eine übersichtliche Grafik mehr Sicherheit vermitteln, als die Daten hergeben.

Den Nenner der Aussage festlegen

Eine Aussage kann sich auf alle abgeschlossenen Vorgänge, alle befragten Fälle oder nur die eingegangenen Antworten beziehen. Das sind unterschiedliche Gruppen. Wer den Anteil eines Grundes nennt, sollte deshalb zugleich angeben, in welcher Gruppe er gezählt wurde. Fehlende Antworten sind eine eigene Information und kein bestätigter Verlustgrund.

Ein fiktives Zahlenbeispiel

Von 100 verlorenen Vorgängen liefern 20 eine verwertbare Rückmeldung. In zwölf Antworten wird eine unpassende Terminlage genannt. Das sind 60 Prozent der Rückmeldungen, aber nur zwölf bestätigte Nennungen innerhalb der 100 verlorenen Vorgänge. Über die übrigen Fälle ist damit noch keine entsprechende Aussage möglich.

Mehrere Gründe können zusammenwirken

Ein Vorgang kann gleichzeitig an Termin, technischem Umfang und unklarer Zuständigkeit scheitern. Werden Mehrfachnennungen zugelassen, können Prozentwerte zusammen mehr als 100 ergeben. Wird nur ein Hauptgrund erfasst, muss klar sein, wie dieser bestimmt wurde. Eine feste Erfassungsregel verbessert die Vergleichbarkeit über mehrere Auswertungszeiträume.

Aus Hinweisen überprüfbare Fragen machen

Eine häufige Nennung kann Anlass sein, den betreffenden Ablauf genauer zu untersuchen. Beispielsweise wird geprüft, ob Termine früh genug geklärt werden. Sie ist jedoch noch kein Beweis für eine alleinige Ursache. Ein brauchbarer Bericht trennt bestätigte Rückmeldungen, interne Vermutungen und ungeklärte Fälle. So entsteht eine Grundlage für gezielte Verbesserungen, ohne fehlendes Wissen durch eine scheinbar vollständige Verluststatistik zu verdecken.

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